File Info : | NARZISSMUS - VON WERNER FRIEBEL |
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Narzissmus und moralischer Selbstbetrug Glauben Sie dass Sie gut aussehen Denken Sie da mal genau dr ber nach. Denn laut einer Studie des Personality and Social Psychology Bulletin neigen die meisten Menschen wenn sie sich ihr Selbstbild vorstellen zu einer euphemistischen Imagination in der sie sich etwa um 20% besser aussehend einsch tzen als sie in Wirklichkeit sind. Das ndert sich auch nicht dadurch dass uns morgens im Spiegel gelegentlich ein ziemlich schr ger Typ entgegen grient mit zerzaustem Haar blassem Teint und halb zugeschwollenen Augen. Dieses M ngelwesen kriegen wir schon wieder hin wenn wir Gottes Werk ein wenig aufpimpen so dass es den visuellen Vorgaben unserer Sch nheitsindustrie wieder nahe kommt. Wenn s dann irgendwann doch nicht mehr so klappt und wir an der Globalisierung der Makellosigkeit h chstens noch mit Hilfe der Sch nheitschirurgie teilhaben k nnen f llt uns vielleicht ein dass das Aussehen doch nicht Alles ist. Es sind schlie lich die inneren Werte die moralischen Prinzipien die uns sch n wichtig und unverwechselbar machen und dazu d rfen wir uns doch immer wieder herzlich gratulieren. Aber halt! Jetzt vermiest uns Benedict Carey in The Times das sch ne Selbstbild mit einer Reportage ber die unterbewussten Mechanismen unserer Falschwahrnehmung auch hinsichtlich unserer geistig-moralischen Selbstidealisierung: Psychologen haben die vielen Wege aufgezeigt mit denen die Menschen unbewusst ihr moralisches Selbstwertgef hl aufp ppeln und hochhalten. Sie sch tzen sich selber gegen ber ihren Mitmenschen als moralisch berlegen ein und sind zutiefst davon berzeugt dass sie sich in Zukunft ohne Fehl und Tadel verhalten w rden sie sehen ihre eigenen guten Absichten als lobenswert an w hrend sie die Pl ne Anderer als inkonsequent abtun. Uns sie mildern ihre moralische Selbstbeurteilung wenn sie beruflich mal ein wirklich schmutziges Gesch ft verrichten wie etwa uninformierte Kunden zu bervorteilen. Das Ged chtnis spiele dabei eine besonderer Rolle schreibt Mr. Carey da es dazu neige im Lauf der Zeit etwaiges moralisches Fehlverhalten zu verdr ngen und gleichzeitig unsere guten Taten theatralisch aufzuh bschen. Gleichwohl kann sich so ein angenehmer Selbstbetrug auch zu einer b sartig wuchernden Form des Narzissmus auswachsen. Fast jeder hat wohl am Arbeitsplatz oder in der Familie schon mit jemandem zu tun gehabt dessen pomp se Selbsterh hung man irgendwann gar nicht mehr aushalten mochte. Ist so ein verletztendes Verhalten schon Ausdruck einer ernsthaften Pers nlichkeitsst rung Die American Psychiatric Association ist sich da nicht sicher und denkt wegen dieser Abgrenzungsproblematik sogar daran die Diagnose einer narzisstischen Pers nlichkeitsst rung ganz fallen zu lassen dummerweise wird die Krankheit dadurch nicht beseitigt da von einem Mangel an Narzissmus nicht die Rede sein kann. Es gibt sehr viel Selbstzentriertheit in der Welt und der Narziss ist mittlerweile zu einem wahrnehmbaren Typus unserer Gegenwartsgesellschaft geworden. sagt Dr. Andrew E. Skodoll Psychiatrieprofessor am Arizona College of Medicine. Extremf lle von Narzissmus kompensieren seiner Meinung nach gro e Unzul nglichkeiten und bed rfen eine komplexen Diagnose vor Allem hinsichtlich des neurotischen Zwangs sich von einem allzu gleichf rmigen geistigen Durchschnitt zu unterscheiden. In dem antiken Mythos vom sch nen J ngling Narziss der sich in sein Spiegelbild verliebt endet die unerf llte Sehnsucht nach Wiedergeliebtwerden mit Verweiflung und Tod. Die zeitgeistgem e Variante ist die Gier nach permanenter Anerkennung der Fassade unseres Schein-Selbst durch die Anderen die Repr sentation unseres aus mangelndem Selbstwertgef hl erwachsenen Gr enwahns im Streben nach Sch nheitsidealen medialer Aufmerksamkeit Perfektion und Machtaus bung - ein Geltungsbed rfnis das durch die Medien allen voran das Internet t glich weiter angef ttert wird. Auch in Deutschland wird das Thema seit einiger Zeit unter Experten diskutiert so untersuchte der Philosoph Georg Frank in seinem Buch konomie der Aufmerksamkeit welche gesellschaftspoltitischen Auswirkungen der selbstherrliche F hrungsstil von narzisstisch Gest rten in Politik Medien und Wirtschaft hat und wie scheinbarer Erfolg sie in ihrem Verhalten best tigt. Typisch sei dabei auch der oberfl chliche Charme mit dem sie andere zu umgarnen und t uschen versuchten. Dabei ist in Expertenkreisen durchaus umstritten (weil etwas heikel) ob und wie sich Frauen narzisstischer als M nner verhalten w rden. Dass jedenfalls die Ursachen f r narzisstische St rungen in Kindheitstraumata l gen wie Freud behauptete gilt heute als gesichert. Als Symptome eines fortgeschrittenen Krankheitsstadiums zeigten sich bei Frauen vornehmlich Depressionen Magersucht und Selbsthass w hrend M nner eher mit Versagens ngsten und Abwehr von Minderwertigkeitsgef
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