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Anmerkung Vom Verschwinden eines menschlichen Lebensraums Dieser Text erschien in der Zeitschrift Geographische Rundschau (Braunschweig) 60/2008 Heft 3 Seite 4 13 und stellte den Einf hrungstext in ein Themenheft Alpen dar. Der Wiederabdruck erfolgt hier ohne die vier Farbkarten die umfangreiche Tabelle die Farbfotos und die Literaturangaben. Die Zukunft der Alpen in einer globalisierten Welt Damit Aussagen zur Zukunft der Alpen nicht zu kurzatmig ausfallen und in den blinden Selbstverst ndlichkeiten unserer Gegenwart stecken bleiben ist es notwendig zuerst kurz die ver nderte Stellung der Alpen in Europa und in der Welt seit der Industriellen Revolution anzusprechen. Erst auf dieser Grundlage kann anschlie end die Zukunft der Alpen thematisiert werden wobei die zentrale Frage lautet ob sich die Entwicklungen der j ngeren Vergangenheit auch im n chsten Jahrzehnt fortsetzen werden oder nicht und ob ein Trendbruch m glich werden k nnte. Die ver nderte Stellung der Alpen in Europa und in der Welt seit 1850 In der vorindustriellen Welt waren die Alpen ein dezentral-fl chenhaft genutzter Lebens- und Wirtschaftsraum dessen Nutzung mit Ausnahme von Erzabbau und Erzverh ttung und Salzgewinnung fast berall unter Ber cksichtigung der nachfolgenden Generationen also nachhaltig ausge bt wurde. Die damit verbundene fl chenhafte Umwandlung der Naturlandschaften der Alpen in Kulturlandschaften f hrte zu orts- und regionstypischen Landschaftsund Siedlungsformen: Da die Kulturmuster der Bev lkerungsgruppen die im Laufe der Geschichte in die Alpen einwanderten je nach 333 vorgefundenen naturr umlichen Bedingungen und unter Ber cksichtigung bereits vor Ort gemachter und tradierter Erfahrungen im Umgang mit dieser Natur jeweils auf eine spezifische Weise abgewandelt und modifiziert wurden andernfalls w re eine dauerhafte oder nachhaltige Nutzung gar nicht m glich gewesen entstand eine Vielzahl unterschiedlichster Kulturlandschaftsformen die sich von Tal zu Tal nderten. Dieser sehr kleinr umig gepr gte Alpenraum war jedoch keineswegs autark sondern auf verschiedene Weise wirtschaftlich und kulturell mit anderen Regionen vernetzt er stellte jedoch trotzdem einen relativ eigenst ndigen und gleichberechtigten Lebens- und Wirtschaftsraum in Europa dar. Diese Aussage gilt in vollem Umfang aber nur f r das Mittelalter. Ab der Renaissance setzt in Europa diejenige Entwicklung ein die sp ter zur Industriellen Revolution f hrt und im Rahmen dieser neuen Entwicklung werden die Alpen in Europa erstmals benachteiligt: Die Intensivierungen und Produktivit tssteigerungen der Landwirtschaft die Modernisierungen und der Ausbau von Gewerbe und Handel und damit verbunden ein generelles Bev lkerungswachstum k nnen in den Alpen nur die tiefen Tal- und Beckenlagen mitvollziehen und die h her und hoch gelegenen Orte und Gemeinden bleiben dabei ausgeschlossen. Das bedeutet eine gewisse wirtschaftliche Schw chung der Alpen. Noch gravierender sind jedoch die politischen Ver nderungen: Ab dem Ende des Mittelalters entstehen in Europa Territorialm chte die immer gr er werden und die sich zu gro en absolutistischen Fl chenstaaten wandeln. Die neuen Grenzen zwischen diesen Staaten werden in den Alpen aus milit rischen Gr nden bevorzugt auf hohe Grate und Wasserscheiden gelegt wodurch die Alpen politisch geteilt und zerschnitten werden. Auf diese Weise wird aus dem mitten in Europa gelegenen Alpenraum eine periphere Region. 334 Beide Prozesse schw chen zwar die Stellung der Alpen als Lebens- und Wirtschaftsraum in Europa ver ndern aber noch nicht die eingangs skizzierten Charakteristika. Dies ndert sich erst mit der Industriellen Revolution deren Auswirkungen zwischen 1800 und 1850 bereits berall auf indirekte Weise sp rbar werden und die ab 1880 dann mittels Eisenbahnen Industriebetrieben Tourismus und St dtewachstum ganz direkt in die Alpen vordringen. Der bergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft der in den 1970er-Jahren abl uft und der gleichzeitig die ffnung der nationalen Wirtschaftsr ume zugunsten weltweiter Verflechtungen (Globalisierung) bedeutet beschleunigt die mit der Industriellen Revolution begonnene Entwicklung in den Alpen und sorgt f r ihre fl chenhafte Ausbreitung bis hinein ins hinterste Alpental. Damit ist ein fundamentaler Wandel der Alpen verbunden: Die dezentral-fl chenhafte Nutzung ist unter den neuen Rahmenbedingungen nicht mehr konkurrenzf hig und die traditionellen Nutzfl chen werden entweder auf moderne Weise immer intensiver ( ber)nutzt (was nur kleinere Fl chen betrifft) oder sie fallen allm hlich brach (was die Mehrzahl der Fl chen betrifft). Als Ergebnis finden wir auf der einen Seite sehr hohe r umliche Konzentrationen an wenigen Gunststandorten (inneralpine Becken und ebene Talb den in tiefer Lage) und auf der anderen Seite den R ckzug des Menschen und aller
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